Sind die Pflanzen ausgesät, müssen die Unterlagen selektiert werden.

 

 

Warum die Pflanzen selektieren?

Vor allem bei nicht zertifiziertem Saatgut können die Blüten von beliebigem Zitruspollen aus der Umgebung bestäubt worden sein.

Dann ist eine strenge Auslese der Unterlagen ratsam, um ihre Eigenschaften zu sichern (Winterhärte, Bodenanpassung, Fruchtqualität, Ertrag, früher Fruchtansatz …). Andernfalls wird es zum Lotteriespiel — und der Hobbygärtner hat meist weder Zeit noch Platz zum Spielen :)

Polyembryonie, nuzellar, zygotisch?

Polyembryonie bedeutet schlicht, dass ein Samen mehrere Embryonen enthalten kann. Anhand von Schnitten durch den Fruchtknoten haben Forscher beobachtet, dass manche Embryonen aus der Verschmelzung einer männlichen und einer weiblichen Keimzelle hervorgehen, andere dagegen aus der Knospung des Nuzellus (mütterliches Gewebe).
Die ersten stammen aus geschlechtlicher Fortpflanzung und heißen zygotisch; die Keimlinge können also Hybriden sein, wenn die Keimzellen genetisch verschieden waren.
Die zweiten gehen nicht aus einer Befruchtung hervor, sind also genetisch identisch mit der Mutterpflanze und werden nuzellar genannt. Theoretisch sind sie mit der Mutterpflanze identisch; dennoch sind neue Sorten entstanden, indem man ein Auge nuzellaren Ursprungs auf eine Unterlage veredelt und mit der Mutterpflanze verglichen hat … (zum Beispiel die Satsuma Silverhill, die aus einem nuzellaren Sämling von Owari stammt)

In einem Kern können 10 Embryonen stecken, bei manchen Sorten auch mehr. Allerdings keimen nur Embryonen über 5 mm und haben genug Reserven, um über das Stadium eines Würzelchens hinauszukommen. Hier ein Beispiel für Polyembryonie bei einjährigen Pflanzen, bei denen drei Keimlinge übrig sind:

Der größte Embryo ist häufig nuzellaren Ursprungs (H. J. Webber), aber nicht immer! Ohne ins Detail zu gehen: bei gamospermer Polyembryonie entstehen zwei gleiche, wüchsige zygotische Embryonen — das kommt allerdings in weniger als 1 % der Fälle vor, und der Hobbygärtner kann es nicht erkennen.

Wie oben gesagt, bringen außerdem nur Embryonen über 5 mm einen Keimling hervor. Wenn also nur ein einziger Keimling erscheint, heißt das nicht, dass er zygotisch ist … Ebenso kann bei zwei Keimlingen der größere der zygotische sein, wenn er zuerst gekeimt ist — statistisch ist das aber nicht der Normalfall.

Kurz gesagt: Man verwendet besser zertifiziertes Saatgut und behält die am besten entwickelten Pflanzen als Unterlage — statistisch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie der Mutterpflanze entsprechen …

Welche Pflanzen werden aussortiert?

Nach 6 Monaten kann man mit dem Aussortieren beginnen: zuerst die phänotypisch abweichenden Pflanzen (zum Beispiel zweizählige Blätter bei einer dreizähligen Mutterpflanze, was etwa beim C35 häufig vorkommt):

Beim Auflaufen sieht man einige albinotische Pflanzen, die mangels Photosynthese von selbst eingehen:

Nach einem Jahr Kultur werden beim Umtopfen alle Pflanzen mit Wurzelfehlern aussortiert. Auf den Fotos unten habe ich das Substrat entfernt, damit man es gut sieht; ich vermeide es aber, die Pflanzen wurzelnackt zu machen, weil das Anwachsen dann länger dauert.

 

Behalten werden nur die schönsten Pflanzen mit einer schön geraden Wurzel:

Ein feinkörniges Profisubstrat verhindert den folgenden Schwanenhals-Fehler:

 

Um die Pflanze zur Kontrolle nicht wurzelnackt machen zu müssen, genügt es, das Substrat auf den ersten 2 Zentimetern abzukratzen (mit einem Profisubstrat geht das leicht); dort sitzen die Wurzelfehler meist, und sie gehen auf ein Keimungsproblem zurück:

Wie werden die Pflanzen selektiert?

Bei Polyembryonie markiert man schließlich alle mehrkeimigen Pflanzen mit einem Zahnstocher oder einem Etikett:

 

Der schwächere Keimling wird nach einem Jahr beim Umtopfen abgeschnitten, falls er nicht vorher schon eingegangen ist:

Nach einem Jahr behalte ich die schönsten Pflanzen; sie sollten mindestens 15 Zentimeter messen, sonst waren die Bedingungen nicht optimal (Temperatur, Tiefe des Gefäßes, Substrat, Dünger und so weiter …):

Die schönsten 10 % messen bei mir und mit meiner Methode nach einem Jahr etwa 50 cm mitsamt Wurzel, und die Citrumelos haben einen Durchmesser von 4 bis 5 mm:

Nach einem Wachstumsjahr behalte ich im Frühjahr nur die schönsten Pflanzen (20 % der Aussaat) und topfe sie in Töpfe 11×11×20 um:

Zu Vegetationsbeginn entferne ich alle Triebe bis auf die 3 obersten, um einen neuen Mitteltrieb aufzubauen:

Nach ein bis zwei Wochen behalte ich nur den kräftigsten Trieb, der am besten mit dem Stamm fluchtet:

Und schon ist die Pflanze bereit zu wachsen:

Im Lauf des Jahres achtet man darauf, dass die Pflanze gerade wächst, und entfernt die jungen Seitentriebe, um einen einzigen, schön geraden Stamm zu erhalten.

Im zweiten Frühjahr ist die Pflanze veredelungsbereit! Bei schwächer wachsenden Sorten wie Poncirus, für dickere Unterlagen oder einfach dann, wenn kein Edelreis zur Verfügung steht, kann man noch ein Jahr warten.