Der ideale Zeitraum für die Rindenpfropfung liegt zwischen April und Juli. Je nach Region und Witterung kann man im Gewächshaus auch früher beginnen.
Diese Anleitung ist kürzer gehalten und beschränkt sich auf die Rindenpfropfung. Die ausführlichere Anleitung zur Spaltpfropfung beschreibt genau dieselben Schritte.
Sobald die Unterlage austreibt, wird sie reichlich gegossen. Einige Tage später kann veredelt werden. Zuerst werden Gartenschere und Veredelungsmesser desinfiziert. Dann wird die Unterlage vorbereitet: mit der Gartenschere ziemlich hoch abschneiden (Amboss nach oben). Um zu prüfen, ob die Unterlage genug im Saft steht, kann man an der Schnittstelle mit dem Veredelungsmesser versuchen, die Rinde anzuheben.
Reißt die Rinde und bildet Fasern, wartet man besser noch einige Tage oder Wochen. Löst sich die Rinde leicht, kann man die Unterlage vorbereiten: Dornen und Blätter mit der Gartenschere entfernen (Amboss auf der der Unterlage abgewandten Seite) und mit dem Veredelungsmesser einen Schnitt setzen:

Manche schrägen die Unterlage an, damit sie sich bei nicht ebenem Schnitt besser an die Form des Edelreises anpasst.
Anschließend wird das Edelreis vorbereitet (hier Fingerlimette): keilförmig anschneiden und mindestens 3 Augen stehen lassen, je nach Stärke der Unterlage auch mehr:


Dann wird das Edelreis unter die Rinde geschoben:

Das Edelreis wird anschließend mit dem Flexibande fixiert, wobei das freie Auge (falls vorhanden) unbedeckt bleibt; danach wird alles mit Buddy Tape abgedeckt.
Bei sehr dicken Unterlagen (zum Beispiel über 4 cm) setze ich zwei oder drei Edelreiser:


Das weniger wüchsige Edelreis wird dann nach jedem Austrieb auf 1 Auge zurückgeschnitten, damit sich Kallus bildet und die Wunde möglichst schnell überwallt.