Die Chip-Veredelung (Chip Budding) hat den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über möglich ist und wenig Edelreis verbraucht (nur ein Auge je Veredelung).

Zuerst werden Gartenschere und Veredelungsmesser desinfiziert. Die Unterlage wird vorbereitet, indem Blätter und Dornen bis zu der Stelle entfernt werden, an der veredelt werden soll. Darüber bleibt Laub stehen, das als Saftzieher dient.

Für diese Veredelungsart sollte man Edelreiser mit ausreichendem Durchmesser verwenden, also etwa bleistiftstark und eher rund im Querschnitt (Reis links). Dreikantige Reiser lassen sich am Anfang etwas schwerer sauber schneiden (Reis rechts):

Bei bedornten Reisern werden die Dornen mit der Gartenschere entfernt, wobei das Auge nicht verletzt werden darf. Die Blattstiele werden von Hand abgebrochen.

Das Auge wird mit dem Veredelungsmesser ausgeschnitten: die Klinge zu Beginn schräg ansetzen, um in das Holz einzudringen, und dann parallel zur Triebachse weiterführen:

Am Auge selbst wird der Schnitt schwieriger (Vorsicht, nicht abrutschen), oft bildet sich eine leichte Wölbung:

Das Auge in einem möglichst flachen Winkel ausschneiden (also parallel zur Achse), damit die Kontaktfläche des Kambiums größer wird:

Bei dreikantigen Reisern muss man tiefer ins Holz gehen, damit der Chip breit genug wird:

In keinem Fall muss Holz unter dem Auge entfernt werden.

Der Chip ist fertig, weiter geht es mit der Unterlage. Dort wird derselbe Schnitt ausgeführt. Dabei gilt: je dicker die Unterlage, desto weniger Druck und desto flacher der Schnitt, damit die Breite dem Edelreis entspricht (bis zum Kambium muss man trotzdem kommen):

 

Der Chip wird auf den Schnitt gelegt, um den letzten Schnitt auf die richtige Länge zu setzen (oben am weißen, angeschrägten Bereich):

 

Die Rinde wird abgenommen und der Chip in die Aussparung gesetzt:

Im Idealfall passt sich das Edelreis perfekt an. Dafür muss man allerdings schon einige Hundert gemacht haben! Zum Üben nimmt man am Anfang Kirschzweige: dünne für den Chip, etwas dickere für die Unterlage.

Ist der Chip kleiner als die Aussparung, kann man ihn an einer Seite bündig anlegen — die Veredelung sieht dann allerdings weniger schön aus.

Das Buddy Tape straff über die Veredelung legen:

Das Flexibande anlegen, ohne das Auge zu bedecken:

Die Veredelung ist fertig; Werkzeuge desinfizieren und weiter zur nächsten.

Sobald das Auge ausgetrieben ist (bei einer Veredelung im Herbst kann das mehrere Monate dauern), wird die Unterlage 2 bis 3 cm über dem Auge schräg abgeschnitten.

Alle Triebe unterhalb der Veredelungsstelle sind zu entfernen.

Einen Monat später: