Warum sollte ich meine Unterlagen selbst aussäen?
Das ist die erste Frage, die man sich stellen sollte!
Abgesehen davon, dass es sehr befriedigend ist, seine Pflanzen vom Kern an selbst zu ziehen, liegt der Hauptvorteil für mich in der Qualität der Pflanzen. Kauft man nämlich eine Unterlage oder eine veredelte Pflanze, kennt man den Zustand der Wurzeln nicht. In den meisten Fällen ist das kein Problem (je nach Sorgfalt des Produzenten), aber ich sehe mir das Wurzelwerk jeder Pflanze an, die bei mir eingeht, und finde häufig einen Wurzelfehler.
Der zweite Vorteil ist der finanzielle, wenn man eine größere Menge Unterlagen produzieren möchte. Rechnet man allerdings Saatgut, Anzuchtplatten, Substrat, Wasser, Dünger, Arbeitszeit, Auslese und so weiter zusammen, bin ich nicht sicher, ob man mit den spanischen Produzenten mithalten kann — schon gar nicht bei wenigen Pflanzen.
Welche Unterlage wählen?
Ist die Entscheidung gefallen, seine Unterlagen selbst zu ziehen, muss die Sorte gewählt werden.
Die Wahl der Sorte hängt von Ihrem Boden und Ihrem Klima ab. Auf der Seite zertifiziertes Saatgut finden Sie die Eigenschaften der wichtigsten in unseren Breiten verwendeten Unterlagen:
- Citrange C35
- Citrumelo 4475
- Poncirus trifoliata
- Volkameriana
Forner Alcaide 5 (FA5) ist nicht als Saatgut erhältlich (geschützte Sortenzüchtung).
Die Wahl der Unterlage ist immer ein Kompromiss zwischen Winterhärte, Bodenanpassung, Krankheitsresistenz und Verträglichkeit beziehungsweise Qualität mit der Sorte, die man aufveredeln möchte. Eine universelle, perfekte Unterlage gibt es leider nicht!
In jedem Fall erwartet man von einer Unterlage zwei Eigenschaften:
- Einen möglichst geraden Stamm, aus optischen Gründen (Geschmackssache!)
- Ein gutes Wurzelwerk (an den eigenen Boden angepasst)
Für den geraden Wuchs genügt ein einigermaßen ebener Untergrund, eine ausreichend dichte Aussaat oder ein Stützstab. Anzuchtplatten haben den Vorteil einer unerreichten Pflanzdichte, sodass sich die Unterlagen gegenseitig führen.
Für das Wurzelwerk gibt es mehrere Faktoren, die Entwicklung und Qualität verbessern:
- die Tiefe des Topfes oder der Anzuchtplatte
- das Substrat
Der Vorteil der Anzuchtplatte ist die Zahl der Pflanzen je Quadratmeter; ihr Nachteil ist, dass das Substrat schneller austrocknet als in einem Topf mit der doppelten Substratmenge.
Ob Topf oder Platte — das Gefäß sollte so tief wie möglich sein, um die Pfahlwurzel zu erhalten:

Wenn der Keimling gerade erst erscheint, ist die Pfahlwurzel zum Beispiel schon 4 bis 5 cm lang:

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass natürlich aufgelaufene Kirschsämlinge kein Gießen brauchen? Im Gegensatz zu gekauften Kirschbäumen, die man in den ersten zwei bis drei Jahren alle zwei Wochen gießen muss …
Der zweite wichtige Faktor ist das Substrat. Nach mehreren Jahren Versuchen sehe ich einen großen Unterschied zwischen billigen Substraten (die natürlich zu meiden sind!), Substraten der Mittelklasse und Profisubstraten.
Qualität und Feinkörnigkeit des Substrats begrenzen den Schwanenhals-Effekt (J-Wurzel).
Meine bislang besten Ergebnisse habe ich mit H Pot Grond von Klasmann erzielt.
Dieses Jahr vergleiche ich drei Substrate:
- H Pot Grond Klasmann
- Traysubstrat Klasmann
- Jiffy
Ergebnisse im Januar 2024!
Wie kommt man an Saatgut?
Ist die Sorte gewählt, braucht man Saatgut in guter Qualität. Dafür kauft man entweder zertifizierte Samen oder erntet Früchte von Unterlagen, um die Kerne zu gewinnen.
Zertifizierte Samen werden im Kühlschrank aufbewahrt, und zwar so kurz wie möglich vor der Aussaat.
Stammen die Kerne von eigenen Unterlagen, bleiben sie bis zum letzten Moment in der Frucht. Die Früchte können in Sand eingeschlagen gelagert werden.

Man sollte mit der Aussaat aber nicht zu lange warten, damit die Kerne nicht schon in der Frucht keimen (bei mir zum Beispiel ab Mitte Januar bei Poncirus).
Bei nicht zertifiziertem Saatgut muss man bei der Auslese streng sein, um sortenuntypische Pflanzen durch mögliche Kreuzungen zu vermeiden.
Wann wird ausgesät?
Der ideale Aussaatzeitraum liegt je nach Region und Witterung zwischen Januar und April.
Ich selbst säe ab Mitte Januar im Gewächshaus aus.
Wie wird ausgesät?
Wie gesagt sollte das Gefäß so tief wie möglich sein; nach meinen Kriterien ist die Anzuchtplatte oder ein Topf vom Typ 7×7×18 der beste Kompromiss. Man füllt also die Platten und drückt das Substrat an (drei Durchgänge, vor allem an den Rändern, die immer weniger verdichtet sind):
Die Vertiefungen werden von Hand oder mit weiteren Platten geformt:

Dann werden die Kerne in die kleinen Vertiefungen gelegt:

Substrat nachfüllen und gut andrücken, damit der Kern beim Gießen nicht verrutscht, und ein Etikett zur Kennzeichnung anbringen (eine Nummer oder den Namen):

Einmal kräftig wässern, und fertig!
Achtung: gefüllte Platten müssen zum Umsetzen quer getragen werden (also so wie auf dem Foto oben), sonst biegt sich die Platte durch oder bricht in der Mitte!
Jetzt heißt es warten. Je nach Witterung kann die Keimung mehrere Monate dauern.
In der Zwischenzeit genügt es, die Feuchtigkeit des Substrats zu kontrollieren und darauf zu achten, dass keine Nager die Kerne ausgraben und fressen! Oder Schnecken, die sich sehr gern unter den Platten einnisten:

Ich selbst säe ab Mitte Januar im Gewächshaus auf einem warmen Mistbeet aus; die ersten laufen im März auf:

Dann geht es schnell, in weniger als zwei Wochen:

Im ersten Jahr müssen die Platten gut gewässert und von unten angestaut werden.
Nach einem Jahr Kultur sind die Pflanzen deutlich gewachsen:

Dann kann man seine Pflanzen selektieren. Siehe die Anleitung zum Heranziehen der Unterlagen.