Die Wahl der Unterlage ist entscheidend dafür, ob sich eine Zitruspflanze im Freiland behauptet. Sie hängt ab von:

  1. dem Klima
  2. dem Boden
  3. der Art, die aufveredelt werden soll (Orange, Mandarine, Pomelo, Zitrone usw.)

 

Das Klima

Beim Klima gilt es zu prüfen, in welcher Winterhärtezone man sich befindet, zum Beispiel anhand einer USDA-Karte (Vorsicht, viele davon sind wirklich optimistisch! Sie beruhen auf Mittelwerten, nicht auf Extremen). Die unten gezeigte Karte gibt die Wirklichkeit besser wieder:

In meinem Fall, südlich von Toulouse, liege ich in Zone 8b.

Anschließend lassen sich diese Daten mit den Messwerten der nächstgelegenen Wetterstation abgleichen und überprüfen (Infoclimat).

Verfügt die gewählte Station nicht über eine Historie der letzten 20 Jahre, nimmt man eine etwas weiter entfernte.

Dazu sieht man sich die Grafik der Tiefsttemperaturen an:

In unserem Fall gab es in 20 Jahren zwei Kältespitzen: -10 °C im Jahr 2001 und -12 °C im Jahr 2012. Abgesehen von diesen beiden Spitzen liegen die tiefsten Temperaturen bei -7 bis -8 °C, was gut zu einer Zone 8b passt.

Außerdem können wir die Grafik der Kältehäufigkeit betrachten:

Betrachtet man die Zahl der Tage, an denen die Temperatur unter -10 °C gefallen ist, so ist das nur 2012 vorgekommen, an 2 Tagen.

Die Zahl der Tage unter -5 °C kann in unserem Fall bis zu 10 Tage im Jahr betragen.

 

Die letzte aufschlussreiche Grafik ist schließlich die Zahl der Eistage (Tage ohne Auftauen):

Für meine Zone halte ich also fest: Extremwerte bis -12 °C, meist Tiefstwerte um -8 °C und wenige Eistage.

All das erlaubt es, das Risiko abzuschätzen, zu wenig winterharte Pflanzen zu setzen. Ich habe für mich als Grenze der Freilandhärte -7 bis -8 °C gewählt und bin bereit, die empfindlichsten gelegentlich zu schützen und sie im schlimmsten Fall zu verlieren.

Pflanzen mit dieser Winterhärte kommen an strategische Plätze (an südost-exponierte Hänge, in Windschutzhecken, an Mauern). Um solche Stellen zu finden, achtet man am besten darauf, wo es im Winter zuerst auftaut, und vergleicht dort Temperaturmessungen.

Sind die Lage bestimmt und die Tiefstwerte bekannt, können wir die dazu passenden Unterlagen auswählen (hier über -10 °C / -12 °C):

Ein weiterer Punkt: Kälte trifft eine Unterlage, die im Saft steht, besonders hart. Erfahrungsberichte zu C35 und Carrizo zeigen, dass bei Temperaturen oberhalb ihrer eigentlichen Winterhärte (etwa um -5 °C) die Rinde durch Frost aufplatzen kann. Bei nicht laubabwerfenden Unterlagen ist also Vorsicht geboten. Allerdings weist aus Samen gezogener C35 viele sortenuntypische Pflanzen auf, und es ist nicht auszuschließen, dass eine schlechte Auslese die Ursache ist.

 

Ist die Unterlage nach Winterhärte ausgewählt, muss geprüft werden, ob sie zum Bodentyp passt.

 

Der Boden

Der zweite Punkt bei der Wahl der Unterlage ist der Boden. Die Unterlage ist nichts anderes als das Wurzelwerk der Pflanze, die man setzen möchte — sie sollte also zu unserem Boden passen!

 

Einen ersten Anhaltspunkt zur Bodenart liefert in Frankreich das Kartenportal Géoportail:

 

Klickt man auf sein Gebiet:

 

Über die Links erhält man Angaben zu den Böden der Umgebung, in meinem Fall Calcosole und Rendosole (beides kalkhaltige Böden):

Zu den Tonböden lässt sich folgende Seite heranziehen:

Schrumpfen und Quellen von Tonböden | Géorisques – französisches Ministerium für den ökologischen Wandel (georisques.gouv.fr)

 

Man kann auch Bodengutachten heranziehen, die für Abwasseranlagen oder für die Fundamente neuerer Häuser erstellt wurden (einfach in der Nachbarschaft fragen) — oder, wie in meinem Fall, Gutachten nach als Naturkatastrophe anerkannten Quell- und Schrumpfschäden im Tonboden:

 

 

Die GTR-Klassifikation nach der Norm NF P11-300 zeigt hier: toniger Feinsand, Schluff, wenig plastischer Ton und Mergel sowie Grus.

All das lässt sich durch eine Bodenanalyse im Labor bestätigen oder ersatzweise durch einige einfache Tests, die Anhaltspunkte geben:

  1. Fingerprobe
  2. Schlämmprobe im Einmachglas
  3. Ausrollprobe (Knetprobe)
  4. pH-Test mit Sets aus dem Gartencenter oder mit Teststreifen für den Pool
  5. Kalktest mit Essig

Alle nötigen Informationen und Videos zu diesen Tests finden Sie im Internet.

Und schließlich sind die von selbst vorkommenden Pflanzen wertvolle Hinweise:

ZEIGERPFLANZEN: einen Boden anhand seines Bewuchses verstehen … (chapelle-berard.com)

Bei mir finde ich Ampfer, Wegerich, Quecke, Disteln und Winde — was auf verdichtete, kalkhaltige Böden hinweist, die im Winter zu Staunässe neigen und im Sommer trocken sind.

 

Damit haben Sie ein klareres Bild von Ihrem Boden und können Ihre Unterlage wählen:

Für meinen kalkhaltigen Lehmboden, der im Winter zu Staunässe neigt und im Sommer austrocknet:

FA5 scheint der ideale Kandidat zu sein — Vorsicht allerdings: die Studien wurden überwiegend in Spanien durchgeführt, nicht in Frankreich. Zu dieser Unterlage und ihrem tatsächlichen Verhalten bei feuchter Kälte gibt es bislang wenig Erfahrung.

Bei mir haben sie 3 Winter problemlos überstanden (-6,8 °C als Tiefstwert), sind aber kaum gewachsen … Im Topf und im Gewächshaus verhalten sich die FA5 recht gut.

Der 4475 ist recht gut geeignet, sofern man Pflanzlöcher von über einem Kubikmeter aushebt, die Erde mit Kompost und Sand verbessert, um ihre Struktur zu verbessern, und über mehrere Jahre Gründüngung einsetzt.

Poncirus ist recht gut geeignet, sofern man ebenfalls Pflanzlöcher von über einem Kubikmeter aushebt, die Erde mit Kompost und Sand verbessert und vor allem im Sommer reichlich gießt — bei mir heikel, denn mein Regenwasserspeicher von 10 m³ am Dach reicht für Gewächshaus und Gemüsegarten nicht aus.

Der C35 scheint geeignet und ist bei mir im Test; er hat mehrere Winter überstanden, ist aber ebenfalls nicht besonders gewachsen.

Der Carrizo gilt in feuchten Lagen als mittelmäßig; bei meinem Versuch sind alle eingegangen, im Gewächshaus wie im Freien, durch Staunässe.

Zum Abschluss der Unterlagenwahl können Sie die Übersichtskarten unten heranziehen:

 

Steht die Liste der Kandidaten, bleibt als letzter Schritt zu prüfen, ob sich das, was man aufveredeln möchte, mit ihnen verträgt.

Die aufzuveredelnde Art

Unterlagen haben eine mehr oder weniger gute Affinität zum Edelreis. Die Tabelle unten fasst zusammen, was ich bei mir bevorzuge:

 

Außerdem sollte die Unterlage winterhärter sein als das Edelreis:

Mit all diesen Angaben können Sie die für Ihre Bedingungen am besten geeignete Unterlage wählen — denn die perfekte Unterlage gibt es nicht! Von der Krankheitsresistenz oder vom Einfluss auf Baum und Frucht war hier zum Beispiel noch gar nicht die Rede …

Danke an Tycitrik für das Teilen seiner Karten und Tabellen!